Liliputland

Ich befinde mich irgendwo zwischen Köhlbrandbrücke und Süderelbe. Zwischen den Baustellenfahrzeugen und Sattelschleppern komme ich mir in meinem Smart wie geschrumpft vor.
Immer wieder stoße ich auf Wasser oder Absperrungen. Rostfarben und Dämmerungsblau prägen das Bild. Zum Glück weiß Siri, wo ich mich befinde. Zuverlässig nennt sie den Namen der nächsten Abzweigung. Meine Zuversicht, mein Ziel zu erreichen, wächst.

Wie angewiesen biege ich ab und fahre parallel zu Bahngleisen. Ein gutes Zeichen. Bahnschienen hörne nicht plötzlich an einer Kaimauer auf. Ich komme an einem Containerdepot vorbei. Jemand hat mit den bunten Metallboxen Lego gespielt und sie in Höhe eines Mietshauses aufeinander gestapelt. Scheinwerfer leuchten auf, ich höre Rangiergeräusche.

Ich gelange an eine Kleingartenanlage. Dahinter steigen weiße Wolken auf. Ich halte an und steige aus. Ich kann förmlich die Gartenzwerge vor mir sehen, wie sie nacheinander aufwachen und sich die Augen reiben. Mittendrin in ihrem Garten liegt Gulliver auf dem Rücken und pafft in den Himmel. Er raucht eine turmhohe Zigarre oder meinetwegen auch eZigaretten. Die Gartenzwerge stehen ringsherum und schauen fasziniert zu. Genau wie ich.
Das Weiß der Wolken mischt sich unter das Dämmerungsblau und lässt es verblassen. Es ist Tag.
Ich weiß jetzt wieder, wo ich mich befinde, und bin auf Normalgröße angewachsen. Gulliver entpuppt sich als Fabrikschlot. Ich steige wieder ein. Wenige Minuten später erreiche ich mein Ziel.

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