Reise nach Jerusalem

Es ist noch nicht einmal Mitte November und es hat schon geschneit. Die dünne Schneedecke auf dem goldfarbenen Laub der Bäume lässt mich an Streuselkuchen mit Puderzucker denken, an Vanillekipferl und an Zimtsterne. Ich komme an einer Kirche vorbei. Ein Schild erregt meine Aufmerksamkeit, genauer gesagt: ein Schilderbaum. Rot leuchten die einzelnen Wegweiser, rot schimmert das dahinter liegende Haus durch das weiß gepuderte Geäst der Bäume davor.
4.399 kam bis Jerusalem lese ich, drehe mich um, und frage mich, ob hinter dem Wäldchen wirklich Jerusalem liegen kann. Da kommt meines Wissens nach noch ein weiterer Stadtteil und vielleicht noch einer und dann ist Schluss, zumindest mit Hamburg. Dann kommt lange nichts. Wie kann in derselben Richtung Jerusalem liegen? Auf halbem Weg dorthin befindet sich eine Kita, stelle ich erstaunt fest, bis ich meinen Irrtum bemerke. Andere Maßeinheit.
Passenderweise steht der Wegweiser gegenüber der Baumstraße. In Frankfurt steht im Baumweg eine Synagoge. Aber das liegt laut Google Maps auch ein paar Hundert Kilometer dichter an Jerusalem.
Eine Szenerie in Schneewittchenfarben: rot und weiß Schilder und Schnee; schwarz und weiß die Rindenstreifen der Birken. Fehlt nur noch, dass jemand im roten Norwegerpulli mit Schneeflockenmuster vorbeikommt.
Dann fällt mir auf, dass von oben betrachtet, der Schilderbaum wie ein mehrfach gezackter Stern aussieht. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

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